Weinberge

 

Das Zellertal bildet den nordwestlichsten Zipfel des Weinanbaugebiets Pfalz. Auch wenn es über Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war, handelt es sich um einen geschichtsträchtigen Flecken Erde, gesättigt mit Sagen und Mythen. Der zudem mit einer einstmals hoch renommierten Lage, dem Schwarzen Herrgott, gesegnet ist. Namensgebend war die Niederlassung des irischen Mönchs Philipp 700 nach Christus, dessen Cellula vermutlich auch den Beginn des Weinbaus markiert. Wie andernorts auch erkannten die geistlichen Herren die Weinbaueignung recht rasch. Im Westen reckt sich der Donnersberg in die Höhe und sorgt dafür, dass sich die Niederschläge in Grenzen halten. Die Hänge unterhalb der Gemeinde Zell ziehen sich in reiner Südlage in Ost-West-Richtung entlang der Pfrimm. Das nach Westen windoffene Tal ist stets gut belüftet, was zum einen dafür sorgt, dass sich in den Weinbergen Fäulnis schwer ausbreiten kann. Zugleich ist das Zellertal als Cool Climate-Gebiet dafür prädestiniert, den Trauben eine lange Reifezeit am Stock zu gewähren, was die Ausbildung der Aromen fördert.

Geologisch dominieren im Zellertal Kalkmergel-Böden unterschiedlicher Zusammensetzung. Wer den Hang von Niefernheim hinauf zur Spitzenlage Schwarzer Herrgott steigt, kann den wachsenden Anteil an porösen Kalksteinen bis hin zu regelrechten Brocken beobachten. Mit zunehmender Höhe nimmt die Oberbodenauflage ab, der Boden wird steiniger und zwingt damit die Reben, immer tiefer zu wurzeln.

 

 

Die Lagen

 

Zeller Schwarzer Herrgott

Nur rund 8,9 Hektar umfasst diese Spitzenlage, die sich in der oberen Hanghälfte bis auf das Plateau zieht. Auf dem kargen kalkigen Untergrund fühlt sich der Riesling besonders wohl. Hier entstehen Weine von ausgeprägter Mineralität, die mit laserstrahlartiger Präzision über den Gaumen gleiten. Zurückhaltend in der Frucht, benötigen sie Zeit, um all ihre geschmacklichen Schichten offenzulegen. Namensgebend ist ein Kruzifix, das heute noch darauf hinweist, dass in dieser Lage ein Wallfahrtsort lag, zu dem selbst Kaiser und Könige pilgerten, um Kindersegen zu erbeten. Vor rund 100 Jahren lieferte das Weingut Herr diesen Riesling an das Hotel Adlon. In der Bewertung durch die Finanzbehörden ist diese Lage mit der höchsten Bonität versehen.

SchwarzerHerrgott_schmal

Zeller Heiland

Auf halber Höhe am Hang zieht sich diese ebenfalls rein südlich gerichtete Lage hin. Durchsetzt mit Kalksteinen sorgen die lehmigen Mergelschichten für einen guten Wasserhaushalt. Hier stehen unsere 30 Jahre alten Silvanerstöcke. Sie reifen in dieser exponierten Lage hervorragend aus, erbringen dabei einen gehaltvollen Wein, der sich aber stets durch eine erfrischende Säureader und eine tänzerische Mineralität auszeichnet.

 

Zeller Apotheker

Hier ziehen sich wie an der Cote d’Or die Kalksteine bis an den Rand des Dorfes Niefernheim. Diese Nähe sorgt für ein relativ warmes Klima, obwohl der Weinberg im mittleren Teil des Hanges liegt. Davon profitieren unsere alten Spätburgunder-Rebstöcke. Sie ergeben im Zusammenspiel mit dem Kalkstein dank einer konsequenten Ertragsreduzierung einen eleganten und doch dichten Pinot Noir. Er entwickelt seine dunkelfruchtigen Aromen erst nach einigen Jahren der Reife.

 

Zeller Königsweg

Südlich der steil ansteigenden Straße von Niefernheim nach Zell erstreckt sich ein mit Chardonnay bestockter Weinberg. Daneben wurden in diesem Frühjahr auf drei Hektar eine Neuanlage angelegt, die mit Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier künftig die Trauben für einen Sekt nach der Champagnermethode liefern soll.

 

Neuleiniger Schlossberg

Es ist ein buntes geologisches Gemisch, auf dem sich unsere Rieslingreben im Schlossberg  in den Boden graben. Es reicht von Kiesel bis Buntsandstein, Kalk bis hin zu Sand. Es ist dieser bunte Strauß an Gestein, der sich auch im Wein niederschlägt. Opulent, fast barock dicht gewoben springen die Fruchtaromen aus dem Glas. Da finden sich gelbe Früchte neben würzigen Anklängen, eine feine Säureader durchzieht das ganze und macht den Wein sehr delikat. Hinter der Frucht scheint auch ein wenig feuchter, heißer Stein und ein Hauch von Feuerstein auf.

Der Schlossberg ist eine Südlage, profitiert also von der sehr guten Exposition. Zugleich  ist das Leininger Tal mit seiner Ost-West-Ausrichtung auch stets gut belüftet. So sorgen der Wind und kühle Nachttemperaturen für einen moderaten Alkoholgehalt und eine lange Reifephase.

 

Kleinkarlbacher Herrenberg

Der Herrenberg gilt gemeinhin als die beste Lage von Kleinkarlbach. In der Fortsetzung des Leininger Tales stehen die Reben hier nach Süden orientiert und profitieren zudem von der Durchströmung des Tales von West nach Ost. Allerdings präsentiert sich der Boden hier viel karger als im benachbarten Schlossberg. Kalk dominiert und sorgt für das klassische kühle Understatement. Zurückhaltend und unnahbar in der Jugend, wirkt der Herrenberg schlank und säurebetont. Dies ist der klassische Riesling mit Noblesse und Eleganz. Wer in der Jugend den Säurekick sucht, wird hier fündig. Der Wein belohnt aber die Geduld, zeigt seine Frucht mit etwas Lagerzeit und wird dann zugänglicher und blumiger.