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OTTO‘S WEINBLOG

Otto Kühnle, Journalist und Weinliebhaber, hat das Weingut Bremer seit den Anfängen begleitet und unterstützt die Arbeit bei Weinproben, Weinwanderungen und Messen. Zusammen mit dem Önologen Michael Acker zeichnet er auch für die MOM-Weine, exquisite Selektionen herausragender Fässer aus besonderen Jahrgängen, verantwortlich. In seinem Blog beschreibt er nicht nur die aktuellen Weine, sondern auch die Entwicklung älterer Jahrgänge.

Dezember 2020

Die ätherische Überraschung

Auch wir probieren in diesen ungewöhnlichen Corona-Zeiten manche Weine in ungewohntem Rahmen, immerhin sind dann Raumtemperatur und Stimmung sowie die Gläser (Zalto) gesetzt und identisch. Das hat uns dieser Tage eine erstaunliche Pinot Noir-Erfahrung beschert. Die schiere Neugierde zog einem 2018 Neipperg Schlossberg aus dem Württembergischen den Korken. Das mächtige Große Gewächs-Pendant vom Lemberger ist ohnehin einer unserer Lieblinge. Und nun präsentierte der Spätburgunder aus der Monopollage des Grafen einen ganz fest mit beiden Beinen im Boden verankerten Wein, der aber mit seiner Nase einen weiten Ausflug in südliche Gefilde unternahm und fast schon an einen alten Carignan oder eine Garrigue-Cuvée aus dem Languedoc denken ließ. Da packte uns die Neugierde und wir erweiterten das Setting um unseren 18er Apotheker-Spätburgunder, schließlich war unser Kalbsbraten für den Neipperg fast zu zart. Und siehe da, der noch vor kurzem sehr abweisende Apotheker offenbarte eine ätherisch-schwelgerische Nase. Als ob er ein Einsehen mit seinen Trinkern in diesen Zeiten hätte, charmierte er mit Minzanflügen, einer klaren Eukalyptusnote und feinen Sauerkirschtönen. Das alles aber so schwebend elegant, dass man fast den festen Tanninkern im Körper übersah. Grad so, als wollte er uns einem fein gewirkten fliegenden Teppich gleich abheben lassen zu einem schwebenden Genuss ganz eigener Dimension, faszinierte er in seiner Offenheit und Zugänglichkeit. Dieser fliegende Teppich ist auch an Weihnachten eine Einladung zum Abheben, probieren Sie es einfach mal aus. Guten Flug.

Otto Kühnle | Journalist

November 2020

Diese Woche gab es noch einmal ordentlich Pfifferlinge im Wald. Mit einem Roastbeef und Brezenknoedel ein feiner Genuss. Dazu einen 2016 Pinot Noir Borbach (Königsweg) – einfach genial. Der Wein hat noch immer einen festen Kern, um den schmiegt sich aber einladend eine dunkle Frucht, Kirschen und dunkle Beeren. Das Holz ist perfekt integriert, das Tannin eingebunden Und die Säureader hält den Wein frisch am Gaumen. Das Beste aber: während Sie auf den 18er warten, können Sie vom 16er noch einige Flaschen aus unserer Keller-Reserve erwerben.

Otto Kühnle | Journalist

September 2020

Weiße Lagenweine 2019 und Pinot Noir aus dem Jahrgang 2018 blühen förmlich auf

„Welch schönen Qualitäten wir im heißen Jahrgang 2019 in den Keller bringen konnten, haben Sie vielleicht schon am Gaumen nachvollziehen können. Mit den jetzt abgefüllten Lagenweinen zeigt sich erst recht, welches Potenzial dieser Jahrgang besitzt. Die Entschleunigung in Zeiten von Corona hat nicht nur vielen Menschen gutgetan. Auch die Weine hatten im Keller den Tick mehr Zeit, der sie nun in schönster Harmonie aufblühen lässt. So macht der Riesling aus dem Schwarzen Herrgott schon richtig Freude, wenn er mit seiner präzisen mineralischen Art, seinem leicht rauchigen Ton in der Nase am Gaumen sich mit körnigem Kalk öffnet und am Ende eine feine, reife Pfirsichfrucht entfaltet.
Der Sauvignon Frauenländchen hat eine würzige Nase, fast schon einen Anflug von Kümmel hinter der grünen Stachelbeere und der Zitronenmelisse. Die setzt sich auch am Gaumen mit der Würze fort, ergänzt um kühles Steinobst. Das Holz schon bestens integriert, zeigt dieser Sauvignon Dichte und Tiefe statt plakativer Aromen.
Auch der Chardonnay Königsweg hat die Noten vom Barrique schon bestens integriert, zeigt in der Nase reife Birne und Würze. Viel Kalkmineralik am Gaumen, wieder diese jahrgangstypische Würze und eine saftige Säureader machen diesen Chardonnay zu einem elegant-balancierten Vertreter seiner Art. Seine Zukunft zeigt er am zweiten Tag nach dem Öffnen: da wird er exotischer, Honigmelone und Ananas scheinen auf – welch ein Versprechen.

Besonders stolz sind wir auf unsere Pinot Noirs aus dem Jahrgang 2018. Schon der Zellertaler zeigt viel rote Beerenfrucht, elegantes Tannin und feine Säure. Der Königsweg führt sein hochwertiges Holz edel in der Nase, hat eine frische und kühle Frucht. Am Gaumen spielt die Kirsche auf, zum Ende hin erste Spuren von Malz und Schokolade im langen Abgang.
Der Mariengarten zeigt runde Frucht, Würze, Zimttöne, ist am Gaumen sehr kompakt und dicht, schließt sich noch in feinem Tannin ein. Der Philippsbrunnen mit seiner kühlen Kirschnase wirkt da etwas zurückhaltender, zeigt aber hochfeines Tannin, dahinter Schokotöne, mit unglaublicher Frische und Delikatesse.
Der Apotheker erweist sich weit offen, hat einen weichen Ansatz in der Nase, Minztöne und nur einen Hauch Holz. Am Gaumen macht er sich ganz lang, tendiert eher in die elegante denn üppige Richtung. Die Konzentration (nur zwei Barriques in 2018) ist dennoch hochfein.
Der MOM ist ein dunkelfarbenes Versprechen, tolles Holz, kühle Nase. Am Gaumen spielen sich Frische, Tannin und Säure in jugendlichem Überschwang die Bälle zu, lebendig, tief und frisch trumpft die Frucht auf, alles hat ein ellenlanges Echo.

Lassen Sie sich diesen Akkord in Rot nicht entgehen und entdecken sie das wunderbare Zusammenspiel von Spätburgunder und Kalkboden im Zellertal.“

Otto Kühnle | Journalist

April 2020

EINE WEINPROBE FÜR ZUHAUSE…

… finden Sie Ihren Lieblingswein aus einem unserer Probierpakete. Unser Weinjournalist Otto Kühnle hat ein paar feine Empfehlungen für Sie. Auch alle anderen Weine sind für Sie natürlich weiterhin in unserem Weinshop verfügbar.